WhatsApp / Facebook: Wer’s glaubt … (Teil2)

Letztes Update: 5. April 2021, 15:10

EU-Raum ist ‘sicher’

In der jüngsten Zeit gab es Verwirrungen bezüglich der neue Nutzungsbedingungen (gültig ab 08.20.2021) von WhatsApp. In diesen wird der Datenaustausch zwischen Facebook und WhatsApp intensiviert.

Nun melden sich viele Medien und verkünden die ‘Frohe Botschaft’, dass der EU-Raum durch seine DSGVO-Bestimmungen eine Sonderstellung habe – EU-Bürger brauchen sie ‘quasi’ keine Sorge machen.

Ich möchte das mal deutlicher Formulieren: Der EU-Bürger soll sich keine Sorgen machen, dass seine Daten zu von WhatsApp zu Facebook wandern! Also zu dem Konzern, der permanent Datenschutzrechte verletzt, das Internet mit dem “Facebook-Pixel” verseucht und alles daran setzt, die User gezielt mit Werbung zu torpedieren? Na, dann sind wir ja jetzt alle ganz doll beruhigt.

Natürlich vertrauen wir Facebook…

Facebook ist ein Konzern, der sich ausschließlich durch Werbung finanziert. Zu diesen Zwecken sammelt Facebook wirklich alles an Userdaten, was der Konzern in die Finger bekommt. Wenn ich nur an das Datenleck („Cambridge Analytica“) denke, das zur Zugänglichkeit von bis zu 87 Millionen Userdaten führte und primär für Trumps Wahlkampf genutzt wurden, oder vor diesem Skandal sogar bekannt wurde, dass Facebook die Mausbewegungen der User aufzeichnet, dann habe ich Bauchschmerzen bei solchen ‘Relativierungen’ zum Thema “alles ist gut”.

Ich vertraue Facebook nicht mal
von der Tapete bis zur Wand!

Zuckerbergs Phrasenschleife

Und jedes mal, wenn mal wieder ein Skandal auftaucht (seit 2018 waren es bislang elf), drischt Zuckerberg die gleichen Phrasen wie „Das war ein Fehler“ oder „Wir müssen uns verbessern“. Ja, das müssen Sie – vielleicht fangen Sie damit einfach mal an. Dumm nur, dass es dem Geschäftsmodell von Facebook widerspricht.

Schauen wir uns mal die letzten Datenpannen an:

  • März: Die Firma Cambridge Analytica wertet unrechtmäßig die Profile von bis zu 87 Millionen Facebook-Nutzern aus. Facebook wusste bereits sehr früh von der Datenweitergabe!
  • April: TechCrunch wusste zu berichten, dass alte Nachrichten von Zuckerberg und weiteren Top-Managern an Journalisten und andere Nutzer aus deren Postfächern gelöscht wurden. Facebook informierte die Betroffenen nicht. 
  • Juni: Facebook gewährte jahrelang den Herstellern von Smartphones, Tablets und anderen Geräten umfassenden Zugriff auf Nutzerdaten. Man spricht von mehr als 60 Unternehmen, die nicht nur Zugriff auf Daten Besitzers, sondern auch auf die der Freunde hatten – und das sogar, obwohl diese die Weitergabe in ihren Einstellungen ausdrücklich deaktiviert hatten. 
  • Juli: Bei mehr als 800.000 Nutzern funktionierte zeitweise die Blockier-Funktion nicht. Blockierte Nutzer waren laut eines Blogposts von Facebook für ein paar Tage entblockt – die ‘blockierenden’ (also nicht die Blockierten) User bekamen das nicht mit. 
  • Juli: CNBC deckte auf, dass jeder (aufgrund einer Sicherheitslücke) die Mitgliederliste privater Facebook-Gruppen einsehen konnte. 
  • August: Apple sah sich gezwungen, Facebook dazu zu ‘zwingen’, die „Sicherheits-App“ Onavo aus dem App-Store zu entfernen. Diese App sammelt fleißig Daten über App- und Webnutzung seiner User. Bereits ein Jahr zuvor stand die App in der Kritik, weil die Datensammlung ohne Wissen der Nutzer geschah. Und was machte Facebook mit den Daten?: Es nutze die Daten unter anderem, um schon sehr früh mögliche Konkurrenten zu erkennen. 
  • September: Das Facebook-Management drängte WhatsApp-Gründer Brian Acton dazu, gegenüber der EU-Kommission die Möglichkeit einer Datenweitergabe von WhatsApp an Facebook zu verharmlosen. Und das nur wenige Jahre später, nachdem Zuckerberg doch bei der damaligen Übernahme von WhatsApp versprochen hatte, die Daten von Facebook und WhatsApp würden getrennt bleiben! Trotzdem begann Facebook mit der Zusammenführung der Profile. „Ich habe die Privatsphäre meiner Nutzer verkauft“, sagte Acton damalig. Bei der Übernahme von INSTAGRAM durch Facebook passierte dann genau das Gleiche. 
  • September: Erneutes Datenleck! Facebook gab zu, dass Unbekannte durch mehrere Sicherheitslücken Zugriff auf etwa 50 Millionen Userprofile erhielten. Kurze Zeit später wird die Zahl auf 30 Millionen ‘korrigiert’. Bei ca. der Hälfte der User-Accounts seien ‘nur’ Namen und Kontaktinformationen inklusive Handynummern und Email-Adressen betroffen. Na, da sind wir ja beruhigt! Dumm nur, dass bei ca. 14 Millionen Profilen dann auch gleich die Daten zu Geschlecht, Wohnort, Geburtsdatum, Sprache, Beziehungsstatus, Religion, Herkunftsstadt, Bildung und Arbeitsplatz ‘den Besitzer wechselten’.
    Weitere Geo-Daten wie die Personen, den man folgt, eine Liste der gefoglten Seiten, die fünfzehn letzten Suchanfragen auf der Plattform, usw…. bis hin zu Markierungen auf Bildern wurden auch gleich ‘mitgeliefert’. DAS ist der bislang schwerste Hack von Facebook. 
  • Dezember-1: In Großbritannien hat ein Parlamentsausschuss interne E-Mails von Facebook (2012 bis 2015) veröffentlicht. Aus den Mails geht eindeutig hervor, dass Facebook Firmen wie z.B. Netflix und Airbnb über eine Schnittstelle Zugriff auf Daten ermöglichte.
    Brisant: Zu diesem Zeitpunkt wurde bereits anderen Firmen der Zugriff verwehrt. Weitaus interessanter ist jedoch das unausgesprochene: Es hatten also (weitaus mehr) Firmen Zugriff auf Userdaten mittels einer speziellen Schnittstelle. 
  • Dezember-2: Facebook musste zugeben, dass es neben dem September-Hack noch eine weitere Datenpanne gab. Externen Apps konnten durch eine Sicherheitslücke auf Fotos zugreifen, die nicht dafür vorgesehen waren. Z.B. Bilder, die User in Facebook Stories veröffentlicht haben. Oder auch Fotos, die im ‘Entwurfs-Status’ waren. Bis zu 6,8 Millionen User waren davon betroffen. 
  • Dezember-3: Erneut fliegt ein Datendeals zwischen Facebook und mehr als 150 Firmen auf! Diese Firmen erhielten durch ‘Sonderregeln’ einen umfassenderen Zugriff auf Userdaten. Z.B. hat die Microsoft-Suchmaschine Bing einen Zugriff auf das komplette Freundesnetzwerk der betroffenen User bekommen. Netflix und Spotify war es sogar erlaubt, private Nachrichten lesen! Solche Deals gab es auch mit Amazon oder Yahoo. Die New York Times fand heraus, dass es natürlich ohne Wissen der User geschah. Als Gegenleistung erhielt Facebook von diesen Partnerfirmen Daten über deren Nutzer.

So, und nun nochmal die Frage: Wirklich „alles gut und ganz harmlos“ bei der Änderung der Nutzungsbedingungen? Weil Facebook es ja “zusichert” …

Ich empfehle dringend, dem Messenger den Rücken zu kehren und zu Alternativen zu greifen! Threema (kostenpflichtig) oder SIGNAL sind da durchaus geeignet. Aber auch TELEGRAM kann man nutzen, wenn man (wichtig!) im ‘gesicherten Chat’ unterwegs ist.

Hier nochmal die erste Meldung des IKC lesen?:

WhatsApp 2021: Datenaustausch mit Facebook & Co.

Bild Hacker: Darwin Laganzon auf Pixabay
Collage: IKC

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