Welfenprinz Ernst August geht in Berufung

Letztes Update: 26. März 2021, 19:48

Zehn Monate Haft auf Bewährung …

Vorgeschichte

Welfenprinz Ernst August von Hannover (67)  wurde am Dienstag vom Landesgericht Wels* zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Er hatte im Sommer 2020 die Polizei auf sein Grundstück gerufen. Die Polizei folgte dem Notruf eines als „verwirrt eingeschätzten älteren Herrn, der sich bedroht fühlte und sich als krank bezeichnet hatte.

Als die Polizei eintraf, wurden die Beamten dann vom Welfenprinzen in “äußerster Rage” mit obszönen Schimpfwörtern überzogen und auch mit Gegenständen bedroht, die der der Welfenprinz als Waffe einsetzte. Das Auftreten von Ernst August von Hannover soll insgesamt aggressiv gegen den ebenfalls dort wohnenden Verwalter und gegen die Polizei-Beamten gewesen sein. Einer der Beamten sagte als Zeuge sogar, dass der Welfenprinz ihm »ins Gesicht geschlagen« habe.

Der Prozess gegen den Welfenprinzen

Die Richterin Teresa Bergthaler sprach den Adeligen mit “Herrn Hannover” an, da in Österreich Adelstitel seit 1919 verboten sind. Vor Gericht wurde auch ein psychiatrisches Gutachten verlesen – unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Am Ende des Verfahrens folgte dann das Strafmaß: Zehn Monate auf Bewährung mit der Auflage, dass der Welfenprinz in den nächsten drei Jahren nicht an seinem Wohnsitz im oberösterreichischen Almtal leben darf!

Das ist unmöglich und undenkbar!“, kommentierte Ernst August die Weisung, er lebe dort seit immerhin 50 Jahren. Dem Welfenprinzen drohten allerdings bis zu drei Jahre Haft … er ist im Grunde gerade recht mild davon gekommen.

Das Gericht betonte am Ende ausdrücklich, dass eine Berufung gegen das Urteil durchaus negativ für “Herrn Hannover” ausgehen könne:

„Das ist für Sie von Vorteil. In der nächsten Instanz könnte die Strafe auch höher werden.“

Welfenprinz Ernst August von Hannover (67) hat nun die nächste Instanz, das Oberlandesgericht Linz angerufen – womöglich nicht die weiseste Entscheidung. Denn aktuell basiert die Verurteilung nicht wegen seiner Angriffe auf Polizisten und sein Haushälter-Ehepaar, sondern nur wegen »Versetzung in einen Zustand des Vollrauschs«.

Berufung mit Risiko

Es ist davon auszugehen, dass das Oberlandesgericht Linz hier nun eine ‘Weitung’ der rechtlichen Würdigung vornimmt.

Denn im aktuellen Urteil wurden Bedrohungen wie »er werde “seine Söldner schicken” (Zeugenaussage) und die “Beamten umbringen lassen”«, oder seine einige Wochen spätere Aussage gegenüber einer damalig beteiligten Polizistin, »dass er ihr den Schädel einschlagen werde« (mit einem mitgeführtem Baseballschläger), nicht in das Strafmaß gerechnet – das könnte sich nun ändern!

Titelleistenbild (geschnitten [‘cropped’] Version: de:Montag
(CC-BY-2.5 / CC BY-SA 3.0)

* Im Gegensatz zum deutschen “Landgericht”, heißt es in Österreich tatsächlich “Landesgericht”.

(ikc)

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