Letztes Update: 1. Mai 2021, 18:16

Image-Politur für Sputnik V

Gelinde ausgedrückt, hat Sputnik V nicht den besten Ruf. Brasilien hat die komplette Einfuhr verboten, es fehlen noch immer “transparente Daten” und Studien-Unterlagen. Laut der brasilianischen Zulassungsbehörde wurden jüngst in sämtlichen Proben des Vakzins sogar “vermehrungsfähige Viren” gefunden. Auch die Slowakei stornierte seine Bestellung des Impfstoffs Sputnik V, da die gelieferten Dosen nichts dem zugelassenen Impfstoff entsprachen. Des Weiteren wurde der Impfstoff z. B. unter “nicht klaren Bedingungen” mit Militär-Institutionen entwickelt, die auf Sanktionslisten des Westens (USA) stehen. Und eins der Institute, die den Impfstoff auf ‘Sicherheit’ testeten, steht ganz oben auf der Sanktionsliste – wegen des Mordanschlags auf Oppositionsführer Alexej Nawalny, wie die BILD berichtet.

Bezeichnend auch, dass in Russland selbst die Impfquote gerade einmal bei 4,8 Prozent komplett Impfungen liegt.

Damit das Vakzin nun eine “Frischzellenkur” für sein Image erhält, strebt Russland das Gütesiegel “Made in Germany” an! Immerhin wäre das möglich, da in Deutschland künftig zwei Werke mit der Produktion von Sputnik V beauftrag werden: Ein Werk in Illertissen (Bayern) und in Dessau (Sachsen-Anhalt) das Werk des Pharma-Herstellers IDT Biologika.

Produktion inklusive deutscher Fördergelder?

Brisant dabei: IDT Biologika hatte im Sommer 2020 rund 114 Millionen Euro Fördergelder des Bundes zur Forschung eines eignen Impfstoffes (MVA-SARS-2-S) erhalten. Die Forschung wurde allerdings (nach Rückschlägen) eingestellt – die Fördergelder sind aber vorhanden und das Werk muss demnach ausgelastet werden. Die EMA-Zulassung für Impfstoffe beinhaltet auch die Werke und Herstellungsanlagen – in diesem Fall Deutschland. Der Vorteil für Russland liegt hier also klar auf der Hand.

Die Verknüpfung für Deutschland ist inakzeptabel

Wenn Deutschland nun Sputnik V bestellen möchte –und das möchte Deutschland–, dann wird Russland sicherlich die deutsche Impfstoff-Fertigung zum Bestandteil der Verträge ‘vorschlagen’. Und das wird mit Sicherheit ein “Vorschlag, den Deutschland nicht ablehnen kann” … zumindest dann nicht, wenn es das Vakzin zügig erhalten möchte!

Die Bundesländer knüpften die eigene Schlinge

Da sich die Bundesländer Sachsen, Bayern und auch Mecklenburg-Vorpommern bereits “Optionen” gesichert haben, ist der Spielraum für Deutschland ohnehin schon deutlich kleiner geworden! Die Propaganda Putins war ein voller Erfolg. Und Deutschland hat ja eh schon seine Bestellung zugesagt – vorausgesetzt, die EMA-Zulassung kommt zügig. Und sollte Russland seinen Plan umsetzen, dass Sputnik V in Deutschland produziert wird, dann wird die EMA ohnehin zulassen – denn dann steht “Made in Germany” auf der Ampulle.

Und somit bezieht Deutschland künftig nicht nur das Gas aus Russland, sondern auch das russische Vakzin, welches Putin mit dem höchsten deutschen Gütesiegel in alle Welt verkaufen kann.

Möglicherweise hören dann aber auch endlich die Hackangriffe auf die EMA und auch BioNTech auf – die der russischen Seite zugeschrieben werden! Das wäre ja auch absurd seinen “Produzenten” zu hacken, während dieser das beste Marketing für die Russen betreibt, das man sich wünschen kann.

Titelleistenbild: Mehr News Agency, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons

2 Gedanken zu „Sputnik V: Russland will “Made in Germany”-Siegel

  • 5. Mai 2021, 19:43 um 19:43

    Bitte verwechseln Sie die Politik nicht mit der Gesundheit der Nation. Deutschland ist nicht das einzige Land der Welt, Sputnik V produzieren wird. Sputnik V wird bei großen Pharmakonzernen in 11 Ländern der Welt hergestellt und auf all diesen Impfstoffen wird das Land des Herstellers angegeben. Daher wird nicht nur der Slogan “made in Germany” darauf hinweisen, dass der Impfstoff ein guter Impfstoff ist, sondern die Tatsache, dass 11 globale Pharmakonzernen Verträge zur Herstellung dieses Impfstoffs abgeschlossen haben. Das bedeutet, dass diese Pharmakonzernen sind zuversichtlich, dass der Begleiter-Impfstoff sicher und wirksam ist. Je schneller Deutschland mit der Produktion eines weiteren wirksamen und sicheren Impfstoffes beginnt, desto schneller wird die deutsche Bevölkerung gegen eine so schreckliche Krankheit wie Covid geimpft und desto mehr Menschenleben werden gerettet. Und auch für Deutschland ist es wirtschaftlich rentabel, mit der Produktion des Impfstoffs zu beginnen, den Deutschland weltweit verkaufen wird. Vergraben Sie bereits die Axt des Krieges und tun Sie, was für die Menschen in Deutschland von Vorteil ist

    Antwort
    • 5. Mai 2021, 20:01 um 20:01

      Liebe Natalia,

      vielen Dank für Ihre Meinung. Wir können Ihnen zusichern, dass hier niemand mit Äxten auf “Kriegspfad” ist. Das IKC nennt Dinge beim Namen – das mag nicht jedem gefallen. Die Argumentation der elf produzierenden Länder ist nicht relevant zur Diskussion des deutschen ‘Gütesiegels’. Bitte verwechseln Sie hier nicht Wirtschaft und Gesundheitspolitik. Die Durchmengung von Politik und Gesundheit begann im Übrigen nicht in Deutschland 😉

      Der Slogan “Made in Germany” wird dann auch lediglich auf eine gute Produktion (nicht das Präparat) hinweisen – wenn das Siegel denn kommt.

      Je schneller Deutschland mit der Produktion eines weiteren wirksamen und sicheren Impfstoffes beginnt, desto schneller wird die deutsche Bevölkerung gegen eine so schreckliche Krankheit wie Covid geimpft und desto mehr Menschenleben werden gerettet.

      Das ist vollkommen korrekt. Kennen Sie eigentlich in Tübingen den Hersteller CureVac? Der Zulassung wird zum zweiten Quartal entgegen gesehen.

      Und was die Impfstoffmengen angeht: Deutschland verfügt (und erwartet) aktuell ausreichende Mengen an Vakzinen, so dass alle Erwachsenen sogar bis Ende Juli ein Erstimpfung erhalten haben können. Aktuell sind es 29,5% Erstgeimpfte. Am gestrigen Dienstag wurden 813.290 Dosen verimpft. In Ostwestfalen bietet ein Hausarzt Vaxzevria schon auf Ebay zum Verkauf und in Pforzheim impft zwischenzeitlich das Team der Hausärztin Nicola Buhlinger-Göpfarth auf einem Supermarktparkplatz – für jeden und ohne Termin.

      Ja, wir sollten über jeden Impfstoff froh sein. Die aktuelle Lage erlaubt aber auch kritische Blicke – leider hält eben nicht jedes Vakzin sein Versprechen.

      Antwort

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