Schlagerchampions 2021: Und was war mit “Schlager”?

Letztes Update: 5. April 2021, 15:10

Leichte Satire

Update am Artikel-Ende: Quoten nachgereicht

Was ist denn eigentlich Schlager?

Schlagerchampions 2021 – Seit einigen Jahren wird die Kritik zu den ganzen Silbereisen-Sendungen immer lauter: Immer die gleichen Gäste im Dauer-Abo – zu viele Gäste, die mit Schlager nichts zu tun haben … Vollplayback etc. Nun muss man dazu sagen, dass es den “Schlager” im herkömmlichen Sinne als solchen im Grunde gar nicht mehr gibt. Die typischen Schlager wie ‘Kaiser’, ‘Carpendale’, ‘Rosenberg’ zu Zeiten der ZDF-Hitparade sind längst im “Pop-Schlager” eingereiht worden. Erst “Disco-Fox”, dann “Deutsch-Pop” oder “Pop-Schlager” … diese verzweifelten Versuche einer Unterkategorisierung verwirren nur.

Nun ist ja der Begriff “Schlager” nichts anderes als die deutsche Übersetzung von “HIT” – insofern ist ja ‘eigentlich’ jeder Hit ein Schlager;-) Aber der deutsche Musikkonsument braucht ‘zwingend’ eine Kategorisierung – es muss ja alles seine Ordnung haben! Schwer wird es dann aber, wenn die Musik nicht dem ‘Katalog’ folgt, sondern der Katalog sich permanent der Musik anpassen muss.

Einziges “Alibi” und quasi auch Voraussetzung für deutschen «Schlager» ist aber immer eines: Der (eben) deutsche Text!

Verkappte Pop-Musik-Sendung

Schauen wir uns also mal die ganzen Silbereisen-Sendungen an. Irgendwie hat man das Gefühl, dass in den letzten Jahren gefühlte “vierunddrölfzig” verschiedene Formate mit dem nationalen ‘Strahlemann Nr.1’ Florian “Flori” Silbereisen über die Bildschirme flimmerte. Von “Schlager-XXL” über “Schlagerlovestory”, “Schlagerlagerfeuer” bis hin zu “hastenichtgesehen” und “Schlagerchampions” – und letztere ‘Schlagerchampions’ liefen ja dann auch gestern endlich mal wieder über die Flat-Screens – nur irgendwie so ohne Champions.

Es ist allerdings nicht so, dass keine “Champions” greifbar gewesen wären. Der Untertitel der Sendung ist ja “Das große Fest der Besten”. Leider fehlt die Angabe, auf welchen Zeitraum sich die Formulierung “der Besten” bezieht. Da allerdings Künstler auftreten, die in den letzten 12 Monaten unter Garantie nicht “die Besten” waren, vermuten das IKC, dass der Zeitraum “der Besten” bereits kurz nach Jesu Geburt begann. Ok, nun sind leider die meisten Künstler aus lange vergangenen Zeiten durch bereits erfolgtes Ableben an der Teilnahme ‘verhindert’ gewesen – das engt nun doch erheblich die Auswahl ein.

Comeback-Rampe?

Die restlichen Künstler die auftraten hatten teilweise durchaus eine “Präsenz-Berechtigung” – aber eben nur teilweise! Das Comeback der ‘No Angels’ z. B (Produzent: Christian Geller, bitte merken …). … – ‘hübsch’, aber bei den ‘Schlagerchampions’? Das ist ja wie die Kelly-Family, die ebenfalls bei Florian Silbereisen ihr Comeback feierte und seit dem offensichtlich nicht mehr aus dem Studio zu bekommen ist– zumindest taucht mindestens einer der Truppe immer bei “Flori” in der Sendung auf.

Hat die Sendung einfach den falschen Namen?

Da wäre das Comeback doch deutlich besser in der Sendung von … Sekunde, wir kommen gleich drauf … Moment noch … wie heißt die Sendung …– OH! Es gibt gar keine Sendung im Öffentlich-Rechtlichen Fernsehen mit Kulturauftrag, die englischsprachigen POP-Künstlern eine Plattform bietet …!

Nun wird klar, warum bei Silbereisen alles auftritt, was die “Darbietung der harmonischen Abfolge von melodiösen Tonverkettungen” zum ‘Besten’ gibt. Da ist es auch völlig egal, ob da nun Pietro Lombardi mit seinem BBFF Giovanni Zarrella im “Schlagersegment” auftaucht – oder vielleicht sogar “abtaucht”? Wir sind uns da noch nicht so ganz sicher (PS: Produzent: Christian Geller, bitte merken …).

Aber statt nun ständig den armen Florian Silbereisen (Musikproduzent: Christian Geller, bitte merken … merkt ihr schon was? 😉 ) dafür verantwortlich zu machen, gucken wir doch lieber mal in die Richtung der TV-Produzenten. Die Sendung ist (natürlich) ein Produkt von ‘Jürgens TV’. Und Inhaber Michael Jürgens hat halt “den Flori” schon seit 2004 unter Vertrag – der (gemeint ist ‘Vertrag’) wohl auch recht deutlich die Kompetenzen regelt – so ‘munkelt’ man in der Branche zumindest unter Insidern. Florian Silbereisen entscheidet bei der Gästeauswahl zumindest nicht mit!
(Dazu als Hintergrund-Info lesenswert: Artikel bei «Die Schlagerprofis.de»)

Nun könnte man zum Fazit kommen, dass die Sendung(en) mit Florian Silbereisen ja alle gut laufen (bis auf die gestrige ‘Schlagerchampions’-Sendung, siehe smago.de). Was liegt da also näher, als die halbe deutsche Musikbranche in die “Feste-Reihe” zu klöppeln? Das Problem ist also gar nicht, dass viele Künstler so oft dabei sind, dass man bereits Zweitwohnsitze auf dem Studiogelände vermutet muss, sondern schlicht der Name der Sendung!

Trennungsvorgang

Würde man also die ganzen Pop-Künstler aus der SCHLAGER-Reihe extrahieren und in eine eigene Sendung packen (z. B. “Popchampions”), würde keiner mehr meckern, dass die Pop-Künstler die Schlagerformate “durchseuchen”. Ok, in ca. vier bis sechs Jahren fällt es dann wahrscheinlich doch wieder den Zuschauern auf, dass die “Abo-Künstler” auch im POP-Segment immer die gleichen sind – aber bis es soweit ist, kann man ebenfalls diverse “Pop-XXL”-Formate schaffen … der deutsche Zuschauer ist ja sehr dankbar. Übrigens ist zu vermuten, dass dann allerdings plötzlich viele Künstler von TELAMO und Christian Geller (den Namen hattet ihr euch ja gemerkt) in das englische POP-Genre wechseln – dann wären künftig wohl die ‘Schlagerchampions’ vom Aussterben bedroht.

In den Social-Media-Portalen liest man zumindest immer die gleiche “Entschuldigung”: „Wir können froh sein, dass wir überhaupt eine Musiksendung haben!“. Ok, soweit ist es also mit dem Kulturauftrag gekommen – man “frisst” wirklich alles, nur um den Hunger zu stillen … Zuerst hatte man allerdings und offensichtlich seinen “Geschmack, garniert an Verstand” vertilgt.

Echte Champions wurden ignoriert

Es gab eine Welle der Entrüstung, als z. B. Melissa Naschenweng (österreichische Musikerin, Volksmusik- und Schlagersängerin) in Österreich immerhin zur erfolgreichsten österreichischen Sängerin gewählt wurde, aber nicht zu den ‘Schlagerchampions’ eingeladen wurde! Und ganz nebenbei, ihr Album ‘Lederhosenrock’ war in Österreich erfolgreicher als “Das Album” von Silbereisen & Thomas Anders (übrigens produziert von Christian …ach egal, ihr ahnt es schon). Melissa belegte im Gesamt-Jahresranking der österreichischen Charts Platz -6-, Anders & Silbereisen lediglich Platz -16-.

Melissa Naschenweng
(©-Sony-Music-Adla-Media (Fotograf: Christoph Hatheuer))

Und genau diese erfolgreiche Künstlerin wurde eben nicht in die ‘Schlagerchampions’ eingeladen! Stattdessen lädt man dann HANNAH ein, die in den Jahrescharts nicht einmal gelistet wurde. Ausführlich haben dazu die Kollegen der Schlagerprofis.de berichtet, z. B. hier oder hier.

Solange der Zuschauer solche Sendungen einschaltet, werden die Produzenten auch keine Gnade walten lassen … sie werden weiterproduzieren – wie bisher.

Quoten-Update (16:56):

Im Gesamtpublikum (ab drei Jahre) erzielten die ‘Schlagerchampions’ einen Marktanteil von 16,7 Prozent bei 4,92 Mio. Zuschauern. Der ZDF-Krimi “Friesland – Haifischbecken” erreichte satte 23,3 Prozent bei 7,67 Mio. Zuschauern. In der Zielgruppe 14- bis 49-Jährige erreichten die ‘Schlagerchampions’ sogar nur 7,4 Prozent bei 0,56 Mio. Zuschauern. DSDS schaffte in dieser Zielgruppe dem Marktanteil von 16,1 Prozent bei 1,29 Mio. Zuschauern.

Die Sendung ‘Schlagerchampions’ lief über drei Stunden! Normalerweise schalten dann die Krimizuschauer nach dem Ende des Krimis zu Silbereisen um, das erhöht dann automatisch die Quote. Gestern jedoch nicht! Das ZDF sendete gleich im Anschluss “Die Chefin” und heimste sich damit ebenfalls einen MA von 17,8 Prozent (5,23 Mio. Zuschauer) beim ‘Gesamtpublikum’ ein – in der “14 bis 49-er Gruppe” übertraf “Die Chefin” ebenfalls die Schlagerchampions um 0,1 Prozent (7,5 Prozent). Ein geschickter Schachzug vom ZDF, um die Zuschauer ‘bei der Stange zu halten’.

Weitere Details und Hintergründe zur Sendung findet ihr brandaktuell bei den Kollegen der Schlagerprofis.de.

Titelleistenbild: ARD/Jürgens TV/Dominik Beckmann
Foto im Text/Melissa Naschenweng: ©-Sony-Music-Adla-Media (Fotograf: Christoph Hatheuer)

(ikc)

Ein Gedanke zu „Schlagerchampions 2021: Und was war mit “Schlager”?

  • 28. Februar 2021, 21:14 um 21:14
    Permalink

    Eine bodenlose Schweinerei, was da mit Melissa getrieben wurde !!!

    Die muss ihr Höschen für niemand Charakter-verhunzten ausziehen !!!

    “ÖSI-Land” braucht sowas nicht, und wird sich das gut merken !!!

    Antwort

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