Rolling Stone: Definitiv ‘erstaunlicher’ Bericht

Letztes Update: 31. Januar 2021, 12:45

Rolling Stone-Magazine berichtet über Testkonzert

Das Online-Magazin Rolling Stone berichtet am 22.01.2021 über ein Testkonzert, welches keine CoVid-19-Ansteckung förderte. Dies mag auf den ersten Blick eine tolle Nachricht sein, allerdings müssen wir uns den Artikel mal genauer ansehen und einem Faktencheck unterziehen.

Die vom Rolling Stone herangezogene klinische Studie wurde im Rahmen der PRIMACOV gemeinsam von der Primavera Sound, dem University Hospital Germans Trias in Barcelona sowie ‘Fight AIDS and Infectious Diseases Foundation’ durchgeführt. An dieser Studio nahmen 1.042 Personen (18 and 56 Jahre) an dem Live-Konzert teil.
14 Tage vor dem Konzert wurden alle Teilnehmer mittels Schnelltest auf Covid-19 getestet. Unmittelbar vor dem Konzert wurde dann erneut mit Schnelltests auf Covid-19 getestet. Jeder Besucher erhielt nun eine KN95-Maske (die chinesische Variante der FFP2-Maske), die er während des gesamten Konzerts tragen musste. Nur für den Verzehr von Getränken war das kurzfristige Abnehmen erlaubt. Das Konzert hatte eine Dauer von 5 Stunden (300 Minuten)!

PROBLEM #1:

In Deutschland ist das durchgängige Tragen von FFP2-Masken strikt reglementiert! Dies ergibt sich aus der DGUV – Regel 112 – 190. Dort heißt es ganz klar (5.1.3 & 5.1.4): 120 Minuten für Masken mit Ausatemventil und 75 Minuten für Masken ohne Ausatemventil.
Wie soll also eine durchgehende Tragezeit von 5 Stunden realisiert werden, verstößt dies doch gegen sämtliche Auflagen in Deutschland.

PROBLEM #2:

Möchte man die Atemschutzmaske abnehmen (Essen oder Trinken), muss sich der Träger der Maske in einen ‘gefahrfreien Bereich’ begeben. Wie soll das in der Praxis umgesetzt werden? Dies wäre nur möglich, wenn man solche Bereiche eigens dafür einrichtet. Ferner müsste dann der Konzertsaal ‘aufgelockert’ (inkl. gelenkter Laufwege) werden, damit die Gäste ungehindert zum Abnehmen der Maske in einen solchen Bereich gelangen können. Aber auch in dem Bereich selbst müssten dann Abstände und Infektionsgefahren ausgeschlossen werden – das dürfte wohl kaum möglich sein.

Bitte keine falschen Hoffnungen schüren

Das IKC ist etwas irritiert, dass das Rolling Stone-Magazin einen Artikel dahingehend aufbaut, als wären Konzerte in solchen Dimensionen in Deutschland bald wieder absehbar. Die Studie selbst ist lobenswert und bringt sicherlich neue Erkenntnisse – sie aber für Deutschland irrelevant.

Es handelt sich eben um eine Studie aus Barcelona, die leider mit den Auflagen und Vorschriften in Deutschland gar nicht vereinbar wäre. Im Rahmen der journalistischen Verantwortung ist es bedenklich zu suggerieren, dass hier Hoffnung auf baldige Konzerte bestünde. Die Leser des Rolling Stone-Artikels könnten schnell der Auffassung sein, dass ja nun ‘bewiesen’ sei, dass Konzerte möglich sind, die Bundesregierung diese aber ‘künstlich’ verhindert. Das sorgt nicht unbedingt für Ruhe in der ohnehin schon angespannten Pandemie-Situation.

Studie mit Tim Bendzko

Bereits im August 2020 wurde in Deutschland (Arena Leipzig) ein Testkonzert mit Tim Bendzko durchgeführt – auch das findet im Artikel des Rolling Stone Erwähnung – wenn auch in verzerrtem Kontext. Auch hier sollte das Infektionsgeschehen untersucht werden. Im Fazit ergab sich, dass das Belüftungssystem eine entscheidende Rolle spielt. Unabhängig der Ergebnisse der Studie ist in Deutschland weiterhin kein Konzert möglich – dies sollte zum Nachdenken anregen. Die Studien beziehen sich darüber hinaus auf geschlossene Räume. Und trotzdem gibt es weder Konzerte in solchen Hallen (mit „Pathogen Reduction System (PRS)“ in der Belüftungsanlage), noch im ‘Open-Air-Bereich’.

Denn eines hat sich während der Pandemie bislang als großer Infektionstreiber herausgestellt: Die leider und häufig vorhandene Unvernunft der Besucher untereinander (Abstände/Hygienemaßnahmen), wenn man locker und ausgelassen (insb.) unter Alkoholeinfluss feiert. Da hilft auch keine technische Vorrichtung.

Titelleistenbild: Gerd Altmann auf Pixabay

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