MP Reiner Haseloff widerspricht MP Kretschmer

Sachsen-Anhalt mit ‘Feinblick’

Wie das IKC heute berichtete, lehnt MP Kretschmer den Osterurlaub (Reisemobilität) global ab [Anm.: Unser Bericht bezieht sich dabei mehr auf die Aussagen ‘zwischen den Zeilen’].

Nun hat sich Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (66, CDU) dezidierter in der ARD-Sendung „Bericht aus Berlin“ dazu geäußert. So fordert Haseloff ein ‘abgestuftes Vorgehen’ je nach Inzidenzwert. Demnach wäre Urlaub in Ferienwohnungen im eigenen Land durchaus möglich.

„Man muss nicht gleich die gesamte Branche aufmachen. Man muss auch nicht bundes- und europaweit wieder alles fallen lassen.“

Hier beweist seit Langem ein Politiker den von der Bevölkerung lange geforderten ‘Feinblick’. Ja, Maßnahmen sind sinnvoll und wichtig – aber die ‘globale Walze’ bringt nichts.

WHO-Empfehlung

Interessanterweise scheint Herr Haseloff die Studie des American Journal of Epidemiology. 2006, (S. 480.) zu kennen, der sich auch die WHO anschloss. Dort wird deutlich hervorgehoben, dass “die Wirksamkeit von Massenquarantänen als Eindämmungsmaßnahme als auch das Kosten-Nutzen-Verhältnis umstritten ist“. Die sogenannte “unzielgerichtete” Anwendung von ‘Reduzierungs-Maßnahmen’ zur Pandemiebekämpfung sind nicht effektiv. Ein Lockdown, wie er in Deutschland angeordnet ist, ist immer dann sinnvoll, wenn eine akute Epidemie-Phase die Gesamt-Inzidenz von Infektionen reduzieren kann. Das ist aktuell der Fall – und auch ‘nachwirkend’ ist es sinnvoll, gezielte Beschränkungen zu installieren, um keinen Rückfall zu erleben. Dabei ist aber das Augenmaß gefragt!

Die Weltgesundheitsorganisation sieht Lockdowns kritisch und befürwortet anstelle von Lockdowns als primäre Maßnahme zur Bekämpfung von COVID-19 gezielte Interventionen auf lokaler Ebene, die bei der epidemischen Lage des jeweiligen Gebiets ansetzen [Quelle].

Der Ansatz ist da

Die Schulöffnung in den Bundesländern ist ein Zeichen in diese Richtung – allerdings ist sie auch sehr umstritten! Studien in Klassenräumen (Berufsschulklasse), die lediglich zur Hälfte belegt sind, zeigen immerhin noch einen R-Wert von 2,9. Das bedeutet, dass eine infizierte Person weitere 2,9 Personen infiziert.

Das Beispiel Ferienwohnungen ist ein guter und sinnvoller Hinweis von Haseloff: In FeWos werden Kontakte wie sie in Hotels stattfinden, komplett vermieden. Es gibt keine gemeinschaftlichen Räume (z. B. Frühstücks-/Restaurant) zu Aktivitäten, kein ‘Foyer’ und auch keine gemeinsamen Sanitäranlagen. Hier die globale Lockdown-Keule anzusetzen ist deutlich fragwürdig!

Mobilität im Auge

Richtig hingegen ist es, eine bundesweite “unkontrollierte” Reisewelle zu verhindern, das dürfte unstrittig sein. Aber es sollte die Möglichkeit ins Auge gefasst werden, dass man die Inzidenzwerte von Start- und Zielort im Auge hat. Hier kann man ansetzen und Reisen ermöglichen. Es ist klar, dass eine Reise von “Ort A” mit einer Inzidenz von 51 in die “Ortschaft B” mit der Inzidenz von 110 wenig Sinn macht, so ‘holt man das Virus ab’, um es dann mit nach Hause zu nehmen.

Die Einwendung von Haseloff ist das Augenmaß, was schon lange gefordert wird. Und eben nicht in panischer Blindheit wie ein alles vernichtender Tornado über das Land ziehen.

Titelleistenbild:
Reiner Haseloff: Martin Rulsch, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0
Michael Kretschmer: Sandro Halank (Kretschmer), Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

 

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