Letztes Update: 10. Februar 2021, 19:54

Dankes- und Lobeshymne …

Sachsens Kultusminister Christian Piwarz hat am gestrigen Dienstag ein Schreiben an alle ‘Kinderbetreuer’ (Erzieher:innen, Pädagogen:innen, Kindetagespflegepersonen) gesendet. In dem Schreiben von Christian Piwarz fällt zuerst einmal auf, dass alles per EDV geschrieben wurde, lediglich das Datum wurde handschriftlich eingefügt. Eigentlich ein deutliches Zeichen dafür, dass das Schreiben bereits vorgefertigt wurde und dann nur noch ‘zum passenden Zeitpunkt’ versendet werden kann. Da die Entwicklung für die Schulen und Kitas vor kurzem noch nicht absehbar war, bleibt zu vermuten, dass es auch für den “Härtefall” (keine Öffnung von Schulen und Kitas) ein Schreiben gab.

Empfehlung zum Test – nicht zu Ende gedacht?

Auf Seite -1- des zweiseitigen Schreibens von Christian Piwarz kommt erst einmal die ‘Abarbeitung’ der harten Zeiten. Im letzten Absatz auf der Seite -1- kommt dann ein wichtiger Teil: Der Hinweis auf ein “einmaliges freiwilliges Testangebot”. Mit Rückblick auf diesen IKC- Artikel, ist das leider mehr als eine “böse Klatsche” für alle Erzieher:innen sowie das pädagogische- und Kindertagespflegepersonal. Weiterhin wird darum gebeten, diesen Test “zeitnah beim Hausarzt” in Anspruch zu nehmen.

Kurz zur Erinnerung: Wir befinden uns im ‘harten’ Lockdown – Kontakte sind weitgehend eingestellt worden. Nun soll also das ‘Kindertagespflegepersonal’ einen “zeitnahen” Termin bei dem Hausarzt machen, damit dieser einen einmaligen Test bei Personen durchführt, die ohnehin schon weitgehend kontaktfrei waren.

Man verpulvert also diesen Test gleich zu Beginn, wenn man aus einer gesunden Umgebung kommt … Wäre es nicht deutlich sinnvoller, diesen einmaligen Test erst nach einigen Tagen durchzuführen?

Persönliche Danksagung

Auf Seite -2- erfolgt dann noch eine persönliche Danksagung von Christian Piwarz. Das ist auch sehr schön, vor dem Hintergrund allerdings, dass das Kindertagespflegepersonal anschließend wieder komplett im Regen stehen darf, wirkt das schon wie ein Hohn. Wäre es nicht schöner gewesen wenn man bereits im Vorfeld die dauerhafte Testmöglichkeit eruiert hätte und das im Schreiben kommuniziert? Das zeigt dem Personal, dass man ihre Situation erkennt und daran arbeitet, optimale Bedingungen zu schaffen. Die Politik schafft in vielen Bereichen Corona-Hilfen – aber wenn es (wie leider oftmals) um die Kinder und Arbeit mit Menschen geht, ist man auf beiden Augen blind.

Eine direkte Nachfrage beim “Eigenbetrieb Kindertageseinrichtungen” bestätigte die Praktik: Eine Testmöglichkeit, so wie sie bei den Lehrern in Sachsen möglich ist (siehe hier), ist für Erzieher nicht vorgesehen.

Die Finanzierung sollte kein Problem darstellen

Sachsen hat (Stand 2018) 724.109 Beschäftigte als ‘Kita-Personal’ – davon rund 621.000 Personen an pädagogischem und leitenden Personal. Die Personalstärke der Erzieher:innen ‘am Kind’ liegt bei ca. 28.000. Legt man für den POC-Test ca. (+-) 7,00 EUR zugrunde, belaufen sich die wöchentlichen Kosten somit auf EUR 196.000. Gehen wir von der Notwendigkeit aus, die (ca.) nächsten 8 Wochen konsequent zu testen, summiert sich der Etat für die Erzieher auf EUR (gerundete) 1,7 Millionen EUR. Und das ist wirklich nicht realisierbar? Möglicherweise lässt sich die Finanzierung ja aus einer ‘optimierten Reisekostenabrechnung der Staatsverwaltung’ erzeugen? Oder man guckt nochmal nach – irgendwo müssen ja auch noch ca. 12 Millionen EUR “aus den Büchern” rumliegen, die zwischen 2015 – 2018 ungenutzt für die „Förderung der Telemedizin sowie Maßnahmen der Gesundheitswirtschaft“ blieben.

Bundeskanzlerin hat die Problematik teilweise erkannt

Im Gegensatz zum sächsischen Kultusminister Christian Piwarz hat Angela Merkel das Problem wohl zumindest in Teilen erkannt. Im heutigen Gipfel der Ministerpräsidenten der Länder hat sie deutlich gesagt, dass Lehrer und Erzieher in der Priorität der Impfberechtigten in Gruppe -2- aufsteigen sollen.
Sowohl die Kanzlerin, als auch die Länderchefs fanden dazu eine Einigung bei ihrer Beratungen am Mittwoch (Info dpa). Im Ergebnis geht nun ein entsprechender Prüfauftrag an die Gesundheitsminister.

Es wäre wünschenswert, wenn die Politik allumfassend und mit Weitsicht beraten würde. Das spart Zeit, und macht nicht ‘alle Nase lang’ irgendwelche Gipfel notwendig. Die “Auf Sicht fahren”-Taktik mag in einigen Bereichen ja (mehr oder weniger) klappen – in solchen Angelegenheiten ist sie allerdings grundsätzlich hinderlich und nicht zum Ziel führend.

Titelleistenbild: IKC

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

eins × 3 =