Lockerungen für Sachsen?

Letztes Update: 8. Februar 2021, 10:36

Gegen die Kanzlerin

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (45, CDU) fährt seine eigene Linie, was die Lockerungen angeht. Entgegen der Dämpfer, die Bundeskanzlerin Angela Merkel (66, CDU) kommuniziert, erwägt Kretschmer ‘vorsichtige Öffnungen’.

Sobald … Wenn …

Leider hört man erneut vage Formulierungen wie „„Sobald es das Infektionsgeschehen zulässt …“. Erneut hält man sich ‘schwammig’ und lässt sich alle Türen offen. Diese Kommunikation im Stil eines ‘Leipziger Allerleis’ (Ok, Kretschmer sitzt in Dresden), lässt die Bürger weiterhin allein dastehen. Keine griffigen Aussagen, keine klare Linie.

Links, rechts, vor, zurück …

Mal heißt es „kein Click & Collect“, dann wieder doch. Friseure „sollen ab Februar wieder öffnen“, dann schiebt man „… wenn es das Infektionsgeschehen zulässt“ nach. Nun wurde kürzlich ein grober Fahrplan festgelegt, welche Inzidenzen zu Lockerungen führen können:

  • Inzidenz zwischen 50 und 100: „Click & Collect“, „körpernahe Dienstleistungen“ des täglichen Bedarfs (z. B. Friseur) mit FFP 2-Maske und Schnelltest. Bibliotheken werden geöffnet, Ausgangssperre und Kontaktbeschränkungen werden gelockert
  • Inzidenz stabil bei 35 bis 50: Öffnung von Einzelhandel, Dienstleistungen (FFP2-Masken). Hotels, Ferienwohnungen könnten öffnen, Gastronomie (mit Hygienekonzept sowie zeitlichen Grenzen). Vereinssport und Kultur mit begrenzten Personenzahlen möglich
  • Inzidenz unter 35: Kitas und Schulen geöffnet (mit Maske). Handel und Dienstleistungen öffnen. Hotels, Gastronomie und Kultur geöffnet (Hygienekonzept, Veranstaltungen bis 1000 Menschen mit Maske)

Der obige ‘Fahrplan’ ist bereits vor 5 Tagen bekanntgeworden. Die jetzigen Aussagen von Michael Kretschmer verwässern den Plan wieder …

Nun wird erneut betont, dass es möglich wäre, im Bildungsbereich und auch dem Einzelhandel “Erleichterung” zu schaffen. Z. B. durch „Abholung vorher bestellter Waren“ (das nennt sich Click & Collect!). Erneut wird gezielt die Öffnung der Friseure erwähnt. Schaut man sich an, mit welchem Engagement genau die Dinge angesprochen werden, die den Bürger ‘brennend’ interessieren, dann ahnt man schon, was diese ‘Werbeveranstaltung’ bewirken soll. Man redet zu Munde und dämpft zeitgleich! Und schiebt auch gleich hinterher, dass bei solchen stückweisen Lockerungen „erst einmal beobachtet werden müsse …“ für die Dauer von drei Wochen. Erst danach könne man weitere Maßnahmen besprechen.

„Ich teile nicht die Meinung, dass wir überhaupt nichts lockern können“

(Michael Kretschmer im IV zur LVZ)

Also doch Ostern

Schauen wir uns nun diese Timeline an, dann deutet eben alles doch auf Ostern hin. Und in der Zwischenzeit versucht man zu beschwichtigen – in der Hoffnung, dass so das ‘rumrudern’ nicht zu prominent ins Auge fällt.

Einfach mal gar nichts sagen …

Manchmal ist es vielleicht besser, auch mal gar nichts zu sagen, statt den Bürgern ständig zu predigen was ‘wir müssen’. Die Bürger wissen genau, was sie ‘müssen’, bzw. wollen – konsequente Durchsetzung der Schutzverordnung, um so das Infektionsgeschehen wirksam zu bekämpfen.

In Dresden laufen mehr als 50% ohne Maske auf den Straßen rum (das IKC hat es selbst gezählt) – es werden weiterhin Partys gefeiert und immer wieder gegen die Ausgangssperre (ab 22:00 Uhr) verstoßen. Polizei? Ordnungskräfte? **Fehlanzeige!**

Schluss damit!

Die Menschen von Sachsen wären sicherlich deutlich mehr beeindruckt, wenn die sächsische Staatsregierung sich nicht permanent mit hohlen Phrasen und halbseidenen Predigen hinstellen würde. Handlungen und Taten beeindrucken meist wesentlich mehr.

Wie wäre es denn z. B. mit einer konsequenten Nachverfolgung der Infektionsfälle. Das SORMAS-System z. B. – dies sollte eigentlich bis Ende Februar in allen Gesundheitsämtern installiert sein. In Sachsen sind bislang von 376 Ämtern nur 151 angeschlossen. Fragt man mal nach, wer sich denn da mal wieder ausmärt…:

„Aufgrund der derzeitigen Aufgabenfülle der Gesundheitsämter kann dieser Prozess nur begleitend stattfinden“

(Sprecherin des sächsischen Gesundheitsministeriums)

Oder anders ausgedrückt: Wenn das Wasserrohr leckt, beschäftigt man sich lieber damit, das Wasser aufzufeudeln, statt das Rohr zu ersetzen. Klar …, denn dafür hat man ja vor lauter Wischerei keine Zeit.

So ist Sachsen mal wieder die Ruhe selbst, denn das Bundesgesundheitsministerium kann die Gesundheitsämter nicht zur SORMAS-Nutzung zwingen. Und das, obwohl in der letzten Ministerpräsidentenkonferenz mit Beschluss vom 19.01.2021 eine Frist (‘bis Ende Februar’) vereinbart wurde. Das Kanzleramt zumindest schämt vor Wut.

Was denn nu?

„Es ist momentan nicht die Zeit für „leise Töne oder differenzierte Betrachtungen“

(MP Kretschmer im Interview mit der „Leipziger Volkszeitung“)

Sekunde bitte … „[…] differenzierte Betrachtungen“ ? Widerspricht der Ministerpräsident nicht gerade grundsätzlich den Corona-Regeln der Kanzlerin? Für uns ist das schon recht ‘differenziert’ …

Das IKC begrüßt Lockerungen – wenn sie umsetzbar sind. Was aber ‘anstrengend’ wird, wenn man permanent nur mit Konjunktiven wie ‘könnte’, ‘würden’, ‘müssten’ torpediert wird …

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

drei × 1 =