Letztes Update: 20. Mai 2021, 10:08

Ländliche Inzidenz

Bergbau, Schwibbögen … Inzidenz! CDU-Landrat Frank Vogel konstatiert, der Erzgebirgskreis ist mit 332.000 Einwohnern das am dichtesten bevölkerte Mittelgebirge von Europa. Ferner stellt das Erzgebirge die Industrieregion dar. Viele mittelständische Unternehmen, die faktisch kaum Home-Office einrichten können. Ohnehin ist eines der größten Probleme der Infektionsketten , die Arbeitsstätte – auch wenn das nur hinter ‘vorgehaltener Hand’ gesagt wird … und auch nur von Virologen und Epidemiologen … die Arbeitgeber werden einen Teufel tun!

Bedingt durch diese hohe “ballungszentralisierte” Kontaktdichte, ist es eine ganz andere Situation als in ‘aufgelockerten’ Städten. Auch Sachsen Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) verbalisiert die Problematik herunter:

„Das Erzgebirge ist eine ganz besondere Region – typisch sächsisch. Es ist die Erdverwachsenheit, die Haltung, die Disziplin, auch die Fähigkeit, schwere Dinge zu tragen und gemeinsam solidarisch zu leben, die das Erzgebirge zu dem gemacht haben, was es ist.”

Liegt in dem Satz bereits die unabsichtlich geäußerte Klärung der problematischen Inzidenzentwicklung? „… und gemeinsam solidarisch zu leben“ bedeutet ‘jeder mit und für jeden’ – und somit ist eine hohe Kontaktdichte gegeben.

Problemfall Erzgebirge

Der Erzgebirgskreis bereits seit Oktober 2020 ein sächsischer “Problemfall”. Die Inzidenz lag zwischenzeitlich bei über 500! Die ZEIT hat ermittelt, dass die Inzidenz von über 300 an 96 Tagen herrschte! Am heutigen 20. Mai ist der erste Tag (!), wo die Inzidenz im Landkreis endlich unter -200- fiel. Aktuell beträgt der Wert 182,42 und fiel damit zum Vortag (202,12) um 19,70 Punkte.

Kretschmer führt aus, dass es “ohnehin eine “Pandemie der ländlichen Regionen sei …”. Des Weiteren “kennt jeder jeden”, alle sind miteinander vertraut – da rückt das Thema ‘Mund-Nasen-Schutz’ schnell in den Hintergrund.

Landrat Frank Vogel wird deutlicher: „Das Virus verteilt sich in der breiten Bevölkerung – vor allem durch das private Verhalten und die Arbeitswelt“!

Vogel betont weiter, dass er ein Einhalten der Hygienevorschriften in den Betriebe auch gar nicht kontrollieren könne – bei rund 14.000 Gewerbetreibenden sei das schlicht nicht möglich. Ein weiteres Problem sei, dass die Corona-Schutzmaßnahmen von der dortigen Bevölkerung nicht “gerne” angenommen werden! Entsprechende Proteste sind an der Tagesordnung … Die sächsische Polizei hat im Erzgebirgskreis 215 Proteste registriert – das ist ein “überdurchschnittliches” Aufkommen. Dazu kommen mittlerweile deutliche Widerstände in Form von Versammlungen und ‘Störungen’ im öffentlichen Raum. So versammelten sich am Wochenende 08./09. Mai ca. 150 Menschen auf dem Schwarzenberger Marktplatz und feierten ‘aufgeheizt’ unter dem Ausruf rechtsextremer Parolen – selbstverständlich ohne Abstand und Mundschutz. Die Kleinstadt Zwönitz legte dann in der Woche darauf nach – bis hin zur Prügelei mit Polizeibeamten!

„Nach Schwarzenberg am Wochenende heute Zwönitz. Erzgebirge, wir haben ein Problem. Ein gewaltiges!“

, so Rico Gebhard, Chef der sächsischen Linken.

Impfturbo soll gezündet werden

Michael Kretschmer sieht nun die Lösung analog zum Vogtland. Damalig habe man das Vogtland priorisiert und die Impfpriorisierung gekippt – konsequenten durchimpfen “bis der Arzt kommt” – wobei der ja schon da war. Zum Vergleich: Der Vogtlandkreis liegt in seiner Inzidenz weit unter 100 – aktuell bei 54,87. Das Impfzentrum im Erzgebirgskreis ist leider ein kleineres Zentrum – daher wird hier nun bis Mitternacht gearbeitet. Ferne werden zusätzlich 10.000 Impfdosen zur Verfügung gestellt werden und mobile Impfteams unterwegs sein. Wäre es nicht auch wünschenswert, wenn hier kurzfristig weitere Zentren aufgebaut werden, um der Lage Herr zu werden? Sachsen schließt in Kürze viele Impfzentren, da sollte sich ein Umzug von einigen Zentren in das Erzgebirge sicherlich realisieren lassen?

Und Thüringen?

Thüringen als Bundesland ist trauriger “Rekordhalter der Inzidenz”. Aktuell liegt Thüringen “nur noch” bei 106,78 – das sah vor einigen Wochen noch ganz anders aus. Da war die Inzidenz permanent über 200 – wie in Sachsen allerdings auch.

Nun hat sich der Thüringer Ministerpräsident Bodo Ramelow (65, Linke) dazu geäußert:

„Es scheint mir so zu sein, dass man auf dem Land unvorsichtiger ist.“

Insbesondere große Geburtstagsfeiern und auch Partys unter Jugendlichen, hat Ramelow im Fokus – da sich dort „ gewisses Maß an Unvorsichtigkeit sich breit gemacht hat“.

Die CDU schießt umgehend zurück! Landtags-Fraktionschef Mario Voigt spricht von ‘Diskriminierung’. Gegenüber der BILD sagte Voigt: „Die Aussagen sind unanständig und von oben herab. Man kann doch nicht die ländliche Bevölkerung für das Versagen der eigenen Landesregierung verantwortlich machen.“

Bodo Ramelow weist den Vorwurf der Diskriminierung gegenüber BILD zurück.

Neben wissenschaftlichen Beobachtungen, zeigten auch die eigenen Erfahrungen, dass insbesondere in ländlichen Regionen die Abstandsregeln deutlich schwieriger umsetzbar seien. Dabei stützt sich Ramelow auf die gleiche Argumentation wie der Erzgebirgskreis: Sozialer Zusammenhalt und jahrelanges Vertrauen.

Jetzt stellt sich natürlich sofort die Gretchen-Frage: Hat Ramelow “zu deutlich” formuliert, oder waren die Sachsen Frank Vogel und Michael Kretschmer diplomatischer in der Darstellung zur selben Thematik ‘Inzidenz’ im Erzgebirgskreis? Denn unter dem Strich sagen beide das Gleiche aus. Durch Ramelows Äußerung allerdings bot man der CDU im Landtag eine Steilvorlage an.

Wir müssen mal kurz abweichen

Denn interessant dazu ist zu wissen, dass nun im September die vorgezogenen Landtagswahlen stattfinden (sollen). Das wurde vor einigen Wochen so vereinbart! Bislang hat die CDU mit ihren Stimmen ‘Die Linke’ im Thüringer Landtag regelmäßig unterstützt – Thüringen hat nach der letzten Landtagswahl 2019 eine Minderheitsregierung (mit SPD und den Grünen). Doch die CDU droht nun mit vier Abgeordneten die Wahlen platzen zu lassen! Doch ein großes Problem ist, dass bei einer fehlenden Zustimmung der CDU zur Landtagsauflösung (und damit einer Neuwahl), die AfD erneut zum “Problemfall” werden könnte.

Mario Voigt drängt auf Neuwahlen – und der Angriff auf Bodo Ramelow erfährt plötzlich eine andere Belichtung.

Und was ist jetzt mit “Hohlhupen”?

Im Fazit sieht man womöglich schon eine Tendenz, warum sich in einigen Regionen die Fallzahlen so hartnäckig halten. Es ist die soziale Bindung der Bevölkerung. Hinter vorgehaltener Hand gibt es einige Stimmen, die den Bürgen natürlich sofort “Dummheit” im Verhalten vorwerfen! Wir diesen Artikel geschrieben, um zu verdeutlichen, dass es eben nicht so einfach ist, plötzlich alle Kontakte abzubrechen und sich abzuschotten, auch wenn eine Frau Merkel das gerne hätte! Auf der anderen Seite zeigen die Bewohner von Städten doch das selbe Verhalten – dort trifft man sich heimlich – nur in der größeren Anonymität der Großstadt …

Es gibt überall und immer eine Gruppe von “Hohlhupen”, die es einfach nicht verstehen wollen, das ist Fakt. Man trifft sich deutlich ‘vorgeglüht’ an irgendwelchen Plätzen, schwurbelt Anti-Corona-Parolen und nutzt die leeren Bierflaschen dann auch gleich mal als “Argumentationshilfe” (Wurfgeschoss).

Aber im ‘gros’ sind die Menschen nicht weniger unvernünftig als anderswo – dummerweise reicht es in solchen Gegenden aber aus, wenn kleinere Gruppen eben eskalieren und damit die Mitbürger in die Sche**e reiten.

NA, DA HABEN WIR UNSERE HOHLHUPEN OFFENSICHTLICH DOCH NOCH GEFUNDEN …

Titelleistenbild: Heatmap RKI

(ikc)

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