EU-Gipfel • AstraZeneca: „Herr Soriot, Sie sind wie ein Stück Seife.“

Letztes Update: 24. März 2021, 18:09

EU-Gipfel – AstraZeneca weicht aus

Am gestrigen Donnerstag tagte der digitale EU-Gipfel. Themen waren der digitale Impfpass (das thematisieren wir hier ‘noch’ nicht) und natürlich der unsägliche ‘Eiertanz’ von AstraZeneca.

In der Video-Schalte des Gipfels gehört am Nachmittag auch AstraZeneca-Chef Pascal Soriot Teilnehmer. Mehrfach wurde er von den EU-Abgeordneten befragt, warum AstraZeneca weniger als die Hälfte der Impfstoffmenge an die EU liefert als im Vertrag zugesichert ist. Eine deutliche Antwort war während des gesamten EU-Gipfels nicht zu bekommen! Stattdessen wich Soriot aus: „Wir arbeiten rund um die Uhr, um die Produktion zu erweitern“. Im seinem Arbeitszeugnis würde wahrscheinlich stehen „Herr Soriot war stets bemüht …“ – das ist unbefriedigend.

Wenn ein Pharma-Unternehmen zunehmend und permanent in die Kritik gerät und das Produkt dadurch an Akzeptanz in der Bevölkerung verliert (‘Vertrauensverlust’), dann sollte man die Gelegenheit ergreifen und endlich Tacheles sprechen. Tut man das nicht, muss sich alle Welt fragen, was denn so brisant ist, dass es nicht erwähnt wird?

Das IKC bleibt bei seiner Meinung: AstraZeneca hat sich bei der lukrativen Auftragsübernahme offensichtlich deutlich übernommen. Das wäre z. B. ein Grund, der eben nicht schlüssig und glaubhaft ‘wegerklärt’ werden kann.

„Herr Soriot, Sie sind wie ein Stück Seife. Unmöglich, Sie festzulegen.“

(Die finnische Linken-Europaabgeordnete Silvia Modig)

Mit dieser Bemerkung sprach Silvia Modig auf dem EU-Gipfel den Unmut vieler Abgeordneter aus.

Permanent erklärt AZ lediglich, wie ‘bemüht’ man ist und “rund um die Uhr” arbeitet. Das klingt ja wie die ermüdende Abo-Phrase von Jens Spahn, dass «niemand geglaubt hätte, dass so schnell “wie nie in der Menschheitsgeschichte” ein Impfstoff entwickelt sei». Auffällig ist, dass Großbritannien z. B. immer noch die vereinbarten Liefermengen von AZ erhält – dort gibt es keinerlei Probleme …

Der Vorteil der ‘Lahmarschigkeit’

Ein Gutes hat die schleppende Produktionskapazität von AstraZeneca jedoch: Nun wurde die Impfpriorität der Gruppen neu geordnet und die Lehrer, Erzieher und Polizisten werden geimpft! Insofern muss man AZ fast dankbar sein, dass sie ihre vertraglichen Zusicherungen nicht “auf die Kette bekommen”.

Ein Impfstoffmangel war eh zu erwarten – was jetzt keine Relativierung oder Entschuldigung sein soll. Allerdings haben andere Hersteller ihre Liefermengen kurzfristig sogar erhöhen können! BioNTech gab bereits an, im zweiten Quartal möglicherweise bis zu 75 Millionen zusätzlich zu liefern. Und auch das Johnson & Johnson-Vakzin ist kurz vor der EU-Zulassung, der EMA-Antrag ging am 16. Februar bei der EMA ein. Die EU hat 200 Millionen Dosen des ‘JJ-Vakzins’ bestellt, mit der Option auf 200 Millionen weitere Dosen. Bei einer Zulassung werden bis Juni die ersten 100 Millionen Einheiten erwartet.

Der EU-Gipfel zeigte nun deutlich, was auch künftig von AstraZeneca zu erwarten ist.

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