Der Inzidenzwert allein ist ‘dummes Zeug’

Letztes Update: 7. April 2021, 10:52

Wie ein “Bruch ohne Nenner”

Das IKC betont in seinen Berichten öfters, dass der alleinige Inzidenzwert völlig wertlos ist. ‘Warum’ das so ist, wollen wir hier kurz mal erklären.

Der Inzidenzwert ist kein Wert nach epidemiologischem Standard, sondern lediglich eine Hochrechnung von positiven Testergebnissen. Diese werden dann für 7 Tage summiert und auf 100.000 Personen berechnet.

Wir machen mal das Rechenbeispiel anhand der Hansestadt Hamburg:

Es werden alle gemeldeten Neuinfektionen der jeweils zurückliegenden sieben Tage addiert; die Zahlen schwankten in München zuletzt zwischen 20 (14. Mai) und 78 (8. Mai). Die Summe wird durch die Einwohnerzahl der Stadt geteilt, also durch etwa 1,5 Millionen. Danach wird dieser Wert mit 100 000 multipliziert – das ist alles.

Zuerst müssen wir wissen, wie viele Einwohner denn Hamburg hat – es sind (aufgerundet) 1,85 Millionen. Nun addieren wir die Zahl der Postivtestungen der letzten sieben Tage (wir denken uns willkürliche Zahlen aus).

• Tag 1: 180
• Tag 2: 185
• Tag 3: 170
• Tag 4: 193
• Tag 5: 280
• Tag 6: 110
• Tag 7: 182

Summe: 1.300

Diese Summe von -1.300- teilen wir nun durch die Einwohnerzahl von Hamburg: 1.300 / 1.850.000 = 0,00070270 * 100.000 = 70,270
Der “Inzidenzwert” ist also 70,3 (mathematische Rundung).

Problem des Verhältnisses

Was diese “Inzidenzberechnung” aber völlig wertlos macht, ist der Umstand, dass die Gesamtzahl der getesteten Personen überhaupt nicht berücksichtigt wird!

Gegenbeispiel:
Nehmen wir Stadt A, die 100. 000 Einwohner hat. Stadt A testet jeden Tag 50.000 Einwohner, von denen in einer Woche insgesamt 50 positiv sind. So kommt man für Stadt A auf einen Inzidenzwert von -50-.
Stadt B, hat ebenfalls 100.000 Einwohner hat, dort werden täglich jedoch nur nur 1.000 Einwohner getestet – mit ebenfalls 50 positiven Ergebnissen. Auch in der Stadt B lautet der Inzidenzwert -50-.

Das Ergebnis ist klar. In Stadt B werden bei deutlich weniger Testpersonen (einem Fünfzigstel von Stadt A) gleichviel Positivfälle festgestellt. Das Infektionsgeschehen ist in Stadt B somit deutlich höher als in Stadt A – trotz des gleich Inzidenzwertes!

Weniger Tests, bessere Inzidenz!

Wenn eine Stadt nun weniger testet und die Gesamtanzahl der Tests nicht berücksichtig, ist eine deutlich niedrigere Inzidenz auf dem Papier ausgewiesen – allerdings fernab jeglicher Realität. Im schlimmsten Fall wird eine Stadt also mit (z. B.) Inzidenz -28- ausgewiesen … und ist in Wirklichkeit ein “durchseuchter Hotspot”, weil viel weniger Personen getestet wurden als in anderen Städten. Das führt also dazu, dass Lockerungen in Kraft treten können, die dann die Mobilität erhöht und für ein unkontrolliertes “Spreading” sorgt.

Flankierende Werte sind wichtig

Und daher betont das IKC gerne, dass (z. B.) der wichtige R-Wert immer im Kontext gewertet werden muss! Auch die Auslastung/Belegung der Intensivbetten der Krankenhäuser ist ein wichtiger Wert. Würden diese flankierenden Werte Berücksichtigung finden, kann man (laut unserem Beispiel) sehen, dass der R-Wert in Stadt B deutlich höher liegt, als in Stadt A … Und spätestens dann müssten bei der Gesundheitsbehörde die ‘Glocke anspringen’.

Fazit: Wer aktuell sorgsam und umfassend testet, ‘versaut’ sich die Inzidenz … der Lockdown einer Region lässt sich somit sogar willkürlich steuern – zumindest, wenn die flankierenden Werte nicht berücksichtigt werden.

Die komplette Erklärung zur epidemiologischen Inzidenz gibt es bei Wikipedia.

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