Letztes Update: 29. April 2021, 08:16

CTS Eventim mit unlauteren Geschäftspraktiken?

Verbraucherzentrale hatte geklagt

In der ersten Corona-Welle wurden in Deutschland zahlreiche Konzerte und Veranstaltungen abgesagt. Viele Kunden kauften ihre Ticket über den Ticket-Händler “Eventim” (CTS Eventim AG & Co KGaA). Am 20. Mai 2020 trat das Gesetz für die “Gutscheinregelung” in Kraft – inklusive ‘Rückwirkungsregelung’. Demnach kann der Veranstalter für alle Tickets, die vor dem 08. März 2020 gekauft wurden in einen Gutschein umgewandelt werden. Für Tickets, die nach dem 08. März gekauft wurden, gilt die Gutscheinregelung nicht – hier besteht dann wieder ein “Geld zurück”-Anspruch!

 Eventim stellt sich quer

Viele Kunden beschwerten sich bei den Verbraucherzentralen (VBZ) über die Weigerung des Tickethändlers, das Geld zurückzuzahlen. Daraufhin hatte die VBZ NRW Unterlassungsklage am Landgericht München gegen Eventim eingereicht!

Nach Auffassung der VBZ NRW wendet Eventim bei der Rückabwicklung von Ticketkäufen “unlautere Geschäftspraktiken” an. So verweigert CTS Eventim z. B. die Rückzahlung, wenn Kunden die angebotenen Ersatztermine nicht wahrnehmen können. In Fällen einer ersatzlos gestrichenen Veranstaltung, zahlt Eventim nur einen Teilbetrag zurück und behielt “unerklärliche” Beträge ein.

Urteil bedeutet nicht automatisch “Geld zurück”!

Im Regelfall verkündet das Gericht am Ende der Verhandlung (das können auch mehrere Termine sein!) einen Termin zur Urteilsverkündung. Dabei könne es Tage, aber auch Wochen sein, bis das Urteil kommt.

Sollte das LG im Sinne des Klägers (Verbraucherzentrale) urteilen, bedeutet das leider nicht, dass CTS Eventim automatisch die Rückzahlungen vornehmen muss! Das Urteil stellt lediglich die Rechtslage fest – und damit, ob und in welchem Umfang Erstattungsansprüche durch die Kunden statthaft sind. Sollte das Urteil also zu Gunsten (teilweise oder vollumfänglich) ausfallen, sollten Kunden dann Eventim unter letztmaliger Fristsetzung zur Rückzahlung auffordern. Bei fruchtlosem Fristablauf kann der Kunde dann seine Ansprüche im Rechtsweg durchsetzen.

Mit dem Urteil des LG Münchens in der Hand ist das dann eine ‘Formalie’. Man “könnte” also davon ausgehen, dass Eventim sich dann nicht mehr querstellt … aber man kennt ja auch die berühmten “Pferde vor der Apotheke” …

Eines zumindest dürfte klar sein. Der Imageschaden für CTS Eventim ist bereits jetzt katastrophal. Die zukünftigen Kunden werden sich mit Sicherheit einen anderen Tickethändler suchen. Da die Veranstalter der Konzert mit Einbußen rechnen ‘dürfen’ (Kunde: „Bei denen kaufe ich nicht mehr!“), wenn sie an Eventim festhalten, schlägt nun womöglich die Stunde für die Mitbewerber!

Im Falle der Rückforderung gegen Eventim könnte im Übrigen auch der Fall eintreten, dass solche Rückforderungsansprüche den Anbieter vor erhebliche wirtschaftliche Schwierigkeiten stellen. Dann wäre der Staatsanwalt am Zug – zwecks “Insolvenzverschleppung”!

Aber davon gehen wir lieber mal nicht aus …

Titelleistenbild: Franz Dürschmied / Pixabay

(ikc)

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