Letztes Update: 27. Mai 2021, 08:42

Rassismus-Debatte

Kürzlich haben die Medien vom WhatsApp-“Irrläufer” (“Quotenschwarzer”) Jens Lehmanns an Aogo berichtet – der Fall dürfte jedem bekannt, sein, so dass wir da hier nicht weiter erläutern.

Boris Palmer mit Facebook-Posting

Darauf hat Boris Palmer (Grüne) sich auf seinem Facebookprofil dazu geäußert. Irgendwann kam der Vorwurf eines Users, Boris Palmer würde Rassismus relativieren. Darauf antwortete Palmer:

„der aogo ist ein schlimmer Rassist. Hat Frauen seinen n****schwanz angeboten.“

Wir haben das Wort hier mit Sternchen versehen, bei Boris Palmer wurde es ausgeschrieben.

Nun ist die Hütte aber am brennen! Sofort geht der Shitstorm los, alles drischt auf Boris Palmer ein.

Zu Recht?

Palmers Erklärung gegenüber der BILD:

„Mir war natürlich klar, dass es sich bei den Facebook-Vorwürfen gegen Aogo, auf die ich angespielt habe, sehr wahrscheinlich um ein Fake handelt. Das war der Sinn meines ironischen Kommentars: Wenn man unbedingt will, kann man jedem einen Rassismus-Vorwurf machen – egal wie konstruiert der Vorwurf ist und ob er auf echten Tatsachen beruht oder nicht. Ich habe mich mit Aogo gegen seine Verbannung vom Bildschirm wegen eines unbedachten Satzes solidarisiert. Nun wollen einige mich wegen Rassismus durch Parteiausschluss maßregeln. Das ist geradezu ein Lehrstück für die Entstehung eines repressiven Meinungsklimas in unserem Land.“

Brisant an der Angelegenheit ist, dass Aogo offensichtlich selbst keinen “politisch korrekten” Bezug zu rassistischen Formulierungen hat. Beispiel gefällig?

„Wir haben uns ja letzten Sommer in Berlin ein Haus gekauft, wo wir bleiben wollen. Ich glaube, wenn man Familie kriegt, hat man immer den Wunsch nach einer festen Bleibe, sodass man nicht wie ein Zigeuner von A nach B reist.“

(Dennis Aogo auf Sky Sport)

Das Wort “Zigeuner” sorgt im Regelfall für schwere Kritiken, das ist hinlänglich bekannt.

Und natürlich das jüngste linguistische Meisterstück im Rahmen eines Champions-League-Halbfinales, wo Aogo die Leistung von Manchester City wie folgt erklärte:

„Es ist einfach unglaublich schwer, sie zu verteidigen. Weil, davon gehe ich aus, sie das trainieren bis zum Vergasen.“

Reicht, oder?

Das Glashaus und der “N****schwanz”

Es ist mehr als brisant, wenn man im Glashaus sitzt und dann mit solchen Brocken wirft! Und nun kommen wir zur Äußerung von Boris Palmer. Palmer zitierte hierbei ein Posting von einer “Nadine Pahl”, siehe hier:
Fake-Posting Nadine Pahl

Dieses Posting und Profil ist mit Sicherheit ein Fake, denn das Profilbild von “Nadine Pahl” stammt im Original von einem Online-Shop aus den USA, siehe hier:

Nadine Pahl-Original-Picture Online Shop

Das wusste Boris Palmer und betont es auch! Soll man wirklich glauben, dass Boris Palmer ein nachweislich gefaktes Zitat nutzt, um sich selbst “an die Wand zu klatschen”? Das erscheint dem IKC zumindest recht schwer nachvollziehbar.

Annalena Baerbock initiiert Parteiausschluss

Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock stürmt nun sofort los und initiiert den Parteiausschluss von Boris Palmer. Und nein, sie hat Boris Palmer nicht direkt kontaktiert – und auch nicht das Gespräch mit ihm gesucht. Sie nimmt kurzerhand die “Fakten” aus der BILD und Facebook, das reicht ihr offensichtlich um einen solch schwerwiegenden Schritt zu gehen.

Nun haben beim Landesparteitag der Grünen 161 Delegierte für ein Ausschlussverfahren gestimmt, 44 stimmten dagegen und 8 enthielten sich. Boris Palmer selbst begrüßt das Verfahren, denn so „habe er endlich die Gelegenheit, sich gegen die Vorwürfe zu verteidigen.“ Erstaunlich, dass ihm diese Gelegenheit nicht vorher gegeben wurde!

Willkommene Aufmerksamkeit

Ob und wie nun die Äußerungen von Boris Palmer zu verstehen sind, mögen wir nicht beurteilen. Was aber höchst unanständig ist, wenn eine Partei ein Ausschlussverfahren anstrebt, ohne vorher den Beschuldigten auch nur einmal gehört zu haben. Es ist unabdingbar, dass den Beteiligten bei Vorwürfen immer die Möglichkeit zur Stellungnahme zu geben ist.

Annalena Baerbock und auch Claudia Roth („ … es handelt sich bei Palmers Kommentar nicht um Satire, sondern um rassistische und sexistische Menschenverachtung“) haben hier bereits im Vorfeld angeklagt, verurteilt und Annalena Baerbock wartet nun an der parteipolitischen Guillotine.

Titelleistenbild:
Annalena Baerbock: Bündnis 90/Die Grünen Nordrhein-Westfalen from Düsseldorf, Nordrhein-Westfalen, CC BY-SA 2.0, via Wikimedia Commons
Boris Palmer: Foto: Reinhard Kraasch, Lizenz: CC-BY-SA 4.0 DE, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

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